An dieser Stelle muss ich etwas ausholen, denn bis vor einem halben Jahr wusste ich nicht einmal was das Bauchladentheater überhaupt ist. Als ich auf dem Kunst- und Handwerkermarkt in Seeon die Ankündigung zum Bauchladentheater las, war ich doch etwas verwirrt. Ein Bauchladentheater? Was soll das sein?
Schon allein der Titel löste in meinem Kopf ein wahres Gedankenkarussell aus. Meine Fantasie war beflügelt. Ich stellte mir einen Mann vor, der mit seinem Bauch spricht und dadurch eine Puppe zum Leben erwecken lässt. Puppentheater mit dem Bauch als Stimme. Warum nicht? Oder ein Raum (ein Laden) in dem Theater mit Marionetten gespielt wird. Da fehlte mir nur leider der Bauch.
So oder so, meine Neugierde war geweckt. Also machten meine Familie und ich uns zeitig auf, um auch ja gute Plätze ergattern zu können. Und was erwartete uns? Voller Überraschung stellten wir fest, dass man erstmal gar nicht viel erkennen und sehen konnte. Da waren nur ein Pavillon und ein paar Bierbänke. Und eine große, offene, schwarze, leere Kiste. Dazu eine Stange mit kleinen Vorhängen und Wäscheklammern. Sehr sonderbar.
Und dann ging es los. Und wir durften Martin das erste Mal in Aktion erleben. Wie wunderbar. Wir waren völlig fasziniert, verzaubert und in den Bann gezogen. Da stand bzw. saß dieser Mann, mit dieser großen Kiste vor den Bauch gebunden und den „Schauspieler:innen“ in der Kiste drin. Doch was war das? Da waren keine Marionetten oder Puppen zu sehen. Nein, da war eine alte Boje, eine sonderbare Tröte und ganz viele Socken. Und die hatten alle Namen.
Martin schaffte es, dass jeder einzelne Gegenstand zum Leben erweckt wurde. Die Geschichte wurde immer aufregender und wir alle fieberten mit den Socken, den Figuren, mit. Wie würde es am Ende ausgehen? Würden sie sich weiterhin streiten? Würde das Missverständnis sie voneinander trennen? Oder würden sie es am Ende schaffen sich zu versöhnen und das Missverständnis aus der Welt zu schaffen?
Während ich der Geschichte fasziniert folgte, gingen bereits die ersten Gedanken in meinem Kopf los. Was für eine wunderbare Idee das Bauchladentheater doch ist. Und wie wunderbar man es für die Soziale Arbeit nutzen könnte.
Nach der Vorstellung – der übrigens nicht nur die Kinder gespannt gefolgt sind, sondern auch alle anderen Erwachsenen Zuschauer:innen – war klar, dass ich diesen Mann näher kennenlernen musste. Wie kam er auf diese wunderbare Idee? Was für Geschichten gibt es noch? Und kann man von ihm lernen?
Ich kann euch sagen, Martin ist ganz wunderbar. Seine Idee des Bauchladentheaters ist so einfach wie genial. Denn man braucht dafür weder eine große Bühne, noch viel Geld. Seine Schauspieler:innen hat er größtenteils gefunden oder vor dem Müll gerettet. Und seine Geschichten? Die denkt er sich selbst aus und sind aus dem Leben gegriffen. Sie machen Freude und lassen uns lernen, ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Und Martin selbst? Er ist ein fantastischer Schauspieler. Dank ihm erwachen alle Figuren zum Leben. Man taucht in die Geschichte ein und lässt sich von ihr gefangen nehmen. Es ist einfach wunderbar.
Ich bin unendlich dankbar, Martin und sein Bauchladentheater kennengelernt zu haben. Und ich bin überzeugt davon, dass es nicht nur mir so gehen würde, sondern vielen von euch auch. Daher ist es mir ein großes Anliegen, so viele wie möglich von euch mit Martin bekannt zu machen und euch die Möglichkeit zu geben von ihm zu lernen.
Also kommt in seinen Workshops oder bei seinen Aufführungen vorbei und macht euch selbst ein Bild von Martin und seinem spektakulärem Bauchladentheater.